Pflanze


Brennnessel

Die Brennnessel (Urtica) ist nicht nur Namenspatron unseres Hauses, sondern auch eine ganz ausgezeichnete Pflanze. Auf dieser Seite werden Sie erfahren warum.

Wissenswertes:

Große Brennnessel - Urtica dioica

Der Name ist vom lateinischen Wort für "brennen" abgeleitet, welches das Gefühl beim Hautkontakt mit der Brennnessel beschreibt. Der zweite Teil des Namens "dioica" entspricht dem deutschen "diözisch" und bedeutet "zweihäusig". So wird die Pflanze charakterisiert. Die Drogen sind frische und getrocknete Bestandteile der blühenden Pflanze und die Wurzeln.

Die Große Brennessel aus der Familie der Brennesselgewächse ist eine bis 1,50 m hohe, ausdauernde Staude mit Brennhaaren an Sprossen und Laubblättern. Diese enthalten einen schlangengiftähnlichen Stoff, der bei Berührung ein unangenehmes Brennen hervorruft.

Aus dem weitverzweigten, unterirdischen Wurzelstock treiben im Frühling aufrechte, unverzweigte, vierkantige Laubsprosse aus. Die gegenständigen, gestielten Laubblätter sind gezähnt, eiförmig, am Grund herzförmig und vorne lang zugespitzt. An der Basis haben sie jeweils zwei schmallinealische Nebenblätter. Die rispenartigen Blütenstände mit den langgestielten Blüten stehen in den Blattachseln im oberen Teil der Sprosse und sind länger als die Blattstiele. Die Blüten besitzen jeweils 4 Blütenhüllblätter.

Jede Pflanze hat entweder nur weibliche oder nur männliche Blüten. Die männlichen Blüten stehen steif ab, entwickeln nur kurze Seitenzweige und besitzen 4 Staubblätter und einen zurückgebildeten, unfruchtbaren Fruchtknoten. Die weiblichen Blüten hängen herab, bilden lange Seitenzweige und besitzen einen einfächrigen Fruchtknoten. Nach der durch den Wind erfolgenden Bestäubung entwickelt sich daraus ein einsamiges Nüßchen.

Ganz kurz:

Umgangssprachliche Namen: Nessel, Hanfnessel, Donnernettel, Donnernessel, Saunessel, Sengnessel, Große Nedeln, Zingel, Tissel

Blütezeit: Juni bis Oktober

Sammelgut: Kraut

Sammelzeit: Juni bis August

Herkunft: kosmopolitische Ruderalpflanze

Standort: unbebaute Plätze, Ruderalstellen, Wälder

Wirkung: Die Droge wirkt leicht diuretisch (harntreibend).

Brennnessel

Die Brennnessel als Namenspatron:

Die Brennnessel wird in Deutschland größtenteils als Unkraut angesehen. Doch dieses Bild vom störenden und hartnäckigen Übel am Wegesrand muss eindeutig korrigiert werden. Denn die Brennnessel ist nicht nur eine Zeigerpflanze für stickstoffreichen Boden, sondern sie ist auch als Pionierpflanze bekannt. So besiedelt sie als eine der ersten Pflanzen unbewachsene Flächen und kann sich über mehrere Jahre gegenüber nachrückenden Pflanzen behaupten. Damit schützt die Brennnessel vor Erosionsschäden beispielsweise auf gerodetem Land.

Aber auch in der Landwirtschaft, im ökologischen Garten und in der modernen Küche nimmt die ‘Urtica’ einen angesehenen Platz ein. Sie ist ein preiswerter Futterlieferant für Hausschweine. In der ökologischen Landwirtschaft wird die Brennnessel als Beifutter verwendet. In der Tierzucht werden Triebspitzen und gehackte Blätter der ‘Urtica’ den Küken, Ferkeln und Kälbern als Vitaminkost gegeben, damit sie kräftiger werden und schneller wachsen. Die Brennnessel ist Bestandteil von Naturfasern und zudem ein ökologisch sinnvoller Rohstoff. Die Fasern sind sehr reißfest. Darum werden sie gern zu Netzen oder Stricken verarbeitet. Die Tradition, aus Brennnesseln Textilien herzustellen, ist heute leider größtenteils in Vergessenheit geraten, genauso wie das Färben. Schade eigentlich, denn aus den Wurzeln der Brennnessel ließen sich Farben von wachsgelb bis graugrün gewinnen. Das Ganze ist obendrein kostengünstig und natürlich allergisch unbedenklich.

Im Garten kann die Brennnessel als Jauche angesetzt viele Schädlinge von anderen Nutzpflanzen vertreiben. Die vergossene Jauche ist außerdem ein prima Stickstoffdünger und Pflanzenstärkungsmittel in flüssiger Form. Bei Schmetterlingsfreunden ist die Brennnessel beliebt, weil sie einen Weidegrund für die Raupen von rund 50 Arten bunter Falter bietet.

Weiterhin werden die getrockneten Blätter als Tee gesammelt und dieser wird aufgrund seiner harntreibenden Wirkung auch arzneilich eingesetzt. Außerdem ist ‘das grüne Gold der Küche’ heutzutage in der Kochkunst wiederentdeckt worden. In Zeiten großer Not und knapper Nahrung war die Brennnessel lediglich als ‘Ersatzspinat’ bekannt. Heute erlebt sie ihre Renaissance in der bewussten Küche und ist Bestandteil von Suppen und Bratlingen, von Salaten oder Aufläufen.

Und nicht zuletzt ist die Königin des Wegesrandes der Namenspatron für unser Restaurant. Sie ist gesund, nützlich, zieht viele bunte Lebewesen an und sie ist ausdauernd und beständig.


Brennnessel

Literarisches:

Brennessel, verkanntes Kräutlein

Brennessel, verkanntes Kräutlein, dich muß ich preisen.
dein herrlich Grün in bester Form baut Eisen,
Kalk, Kali, Phosphor, alle hohen Werte,
entsprießend aus dem Schoß der guten Mutter Erde.
Nach ihnen nur brauchst Du Dich hinzubücken,
die Sprossen für des Leibes Wohl zu pflücken,
als Saft, Gemüse oder Tee sie zu genießen,
das, was umsonst gedeiht in Wald, auf Pfad und Wiesen,
selbst in noch dürft`ger Großstadt nahe Dir am Wegesrande,
nimm's hin, was rein und unverfälsch die gütige Natur
dir heilsam liebend schenkt auf ihrer Segensspur!

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben


Brennnessel

Links:

Viel Wissenswertes können Sie auch dem exzellenten Artikel in Wikipedia zum Thema Brennnessel entnehmen.

updated 6.10.2017